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Geschichte der Schule

Geschichte des Hauses und des Landesinstituts für Hörbehinderte

Der O'Donell Hof in Lehen (1566 - 1979)

Die Geschichte der Landestaubstummenanstalt 1770 - 1923

Die Landestaubstummenanstalt 1898 - 1938

Die Landestaubstummenanstalt 1938 - 1945 - 1948

Die wiederrichtete Landestaubstummenanstalt 1948 -1962

Von der Landestaubstummenanstalt zum Landesinstitut für Hörbehinderte 1960 - 1998

Autorin: Friederike Zaisberger

Der O'Donell-Hof in Lehen
Das heutige Anwesen, in dem das Landesinstitut für Hörbehinderte (LIH) untergebracht ist, ist in mehreren Abschnitten entstanden. Zum freieigenen Herrenhaus mit Weiher und Garten gehörte als Maierei das ,,Egglgut am Gailinpach ausser der Vorstatt Milln negst an die Landtstrassen gegen Lifering". Da die Landwirtschaft der Grundherrschaft des Erzbischofs im Hofurbaramt Glan unterstand, kann die Besitzerreihe his zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgt werden. Vor 1566 besaß Caspar Egkhl den Bauernhof, um 1581 folgte Cristof Eggl, vor 1608 Wolf und Catharina Eggl. Dann wechselten die Besitzer sehr rasch: 1608 Leonhart Eitlperger, Hans und Magdalena Khramer durch Kauf, 1609 Wilhelm Hueber, 1614 dessen Eltern Steffan Hueber und Barbara Schaidingerin, 1622 Bartlmä Schluderpacher und Elisabeth Lasserin, 1656 Andre Schluderpacher. Diese Kaufleute und Bürger der Stadt Salzburg löste 1651 Christoph Wolgschaffen, Kastner des Klosters St. Peter, ab.


Für den ersten Ausbau des Herrenhauses dürfte der Salzburger Stadtphysikus Dr. Michael Mayr († 1661) verantwortlich sein. Seine dritte Gattin Erntraud Feyertag und ihre Schwester Klara, die seit 1644 mit dem Hofrat und Domkapitel-Syndikus Dr. Kaspar Joachim Reiter verheiratet war, kauften das Egglgut nämlich 1652. Von 1655 an war Erntraud Mayrin Alleinbesitzerin. Der Ost-Trakt des heutigen Gebäudes mit dem Turm dürfte damals in der fast quadratischen Form, wie sie alle Salzburger Ansitze aufweisen, erbaut worden sein. Die im zweiten Obergeschoss an der Nord- und Ostwand erhaltenen vier gemalten Medaillons scheinen dies zu bestätigen. Die vier Männerköpfe mit grünen Lorbeerkränzen und Krönungsmänteln stellen die römisch-deutschen Kaiser Matthias (1612-1619) und Ferdinand II. (1619-1637), bzw. Kaiser Rudolf II: (1576-1612) und Ferdinand III. (1637-1657) dar. Als Maler dieser Portraits kommt Andreas Faistenberger (1618-1652) in Frage ebenso wie als Baumeister und Architekt Andreas Pernegger († 1656). Beide sind im Nachlass-Inventar des nächsten Besitzers, des Obrist von Fletting, 1675 mit größeren Beträgen, die ihnen trotz ihres Ablebens noch auszuzahlen waren, vermerkt.


Von 1670 an war Johann von Fletting, hochfürstlicher Kämmerer, Obrist und Schlosshauptmann der Festung Hohensalzburg, der Besitzer. Er hatte sich unter Montecuccoli in der Schlacht bei St. Gotthard gegen die Türken durch Bravour einen Namen gemacht.


Seine Witwe und seine sieben Kinder konnten das Gut aber nicht halten. Der Bestand-Zins (= Pacht) vom Egglgut brachte jährlich nur sieben Gulden und 30 Kreuzer ein. Zur Ökonomie, die im Westen vom Hauptgebäude in dem lang gestreckten, ebenerdigen, entlang der Grundgrenze verlaufenden Trakt untergebracht war, gehörten nur eine Wiese im Ausmaß von drei Tagwerk und der Garten mit einem Tagwerk. Trotzdem schätzten die benachbarten Bauern den Hof auf 3.000 Gulden. Cordula von Fletting verkaufte deshalb das Egglgut an Georg Ehrnreich Stockhamer. Stockhamer war einer der reichsten Burger der Stadt. Ihm gehörten neben dem Sternbräu das heutige Hotel Goldener Hirsch, fünf Häuser in der Gstättengasse und anderes mehr. Er erwarb das Egglgut, das von nun an ,,Stern-Hof" hieß, am 1. März 1675 um 4.000 Gulden und 150 Gulden Leykaufsumma (= Handgeld). Er begann mit dem Um- und Neubau des Hauses. Die einzelnen Trakte wurden miteinander verbunden. Der Eingang im Osten erhielt eine zweiarmige Freitreppe. Im Westen entstanden im ersten und zweiten Stock Loggien, deren Türen in schönen, schmiedeeisernen Lünettengittern der Zeit enden. Gange und Räume dieser Stockwerke erhielten elegante Stuckdecken, die den Holz-Kassettendecken der Renaissance nachempfunden sind. Die geometrischen Kreis- und Segmentbögen sowie die Gurtbogen in den Gängen werden vom Perlstab begleitet. Die so genannte Belle Etage im zweiten Stock weist eine größere Geschosshöhe auf, höhere Fenster und marmorne Fensterbänke im ,,Alttrakt". Die Gesellschaftsräume im Ostteil sind mit reichem Stuck über den Türen ausgeschmückt. In Medaillons sind die Portraits von Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg (1668-1687) und Kaiser Leopold I. (1658-1705) gemalt. Sie werden von reichem Volutenstuck mit Füllhörnern und Obstgehängen umgeben. Der elegante Garten wurde 1688 mit einer ,,wehrhaften Mauer" eingefriedet. Nach dem Umbau stieg der Wert des Hauses von 2.000 auf 5.820 Gulden. Die tatsächlichen Baukosten dürften aber das Doppelte der Wertsteigerung betragen haben.


Nach Stockhamers Tod erhielt seine Schwester Christina Ausweger 1705 das Gut als Abgeltung für ihre Erbansprüche an die Sternbrauerei. Die hohen Erhaltungskosten und die Ausgaben für die Versorgung ihrer Kinder zwangen die Witwe, 1720 bzw. 1722 ,,die Peunte bei der Kapelle, so zwischen dem Fürstenweg und der Landstraße liegt" und einen Teil des Gartens sowie den ,,Holzteil an der Gschwand" zu verkaufen. Trotzdem forderten die Gläubiger noch die Vermietung des Herrenhauses. Für ein halbes Jahr zog Frau von Eiseisberg ein. Dann ersteigerte der Hauptgläubiger Christian Kajetan Gschwendtner, bürgerlicher Eisenhändler, den ,,Obern Sternhof oder Gschlössl sambt dem mit Mauer und Plankhen eingefangnen Garten und auch einem Holzthaill an der Feichtnerin" um 4.850 Gulden. Nach seiner Erhebung in den Adelsstand 1738 durch Kaiser Karl VI. (die Salzburger Publikation des Adelsbriefes erfolgte 1741) ließ Gschwendtner den Ansitz neuerlich verändern. Daran erinnert das Türgesims im zweiten Stock. Zwischen Vasen mit Fruchtgestecken aus weißem Stuck wurde aus demselben Material das neue Wappen angebracht. Aus seiner Zeit stammt auch der Erker im zweiten Stock, der mit Goldstuck in den Formen des Spätbarocks ausgestaltet ist.


Mit seiner Versetzung nach Passau verlor Gschwendtner das Interesse am Sternhof. Er verkaufte ihn am 12. Juni 1764 an den bürgerlichen Handelsmann Mathias Lürzer. Um diese Zeit erhielt das Schlößl ein Mansardendach. Im Ziergarten befanden sich damals fünf Lust- und Sommerhäuschen, von denen heute nur noch das einstöckige Gartenhaus an der alten Haupteinfahrt bei der Lehener Straße steht. Von besonderem Wert waren die im Garten angepflanzten 256 Obstbäume.


Während der Freiheitskriege gegen Napoleon und in den schweren Zeiten nach dem Anschluss an Österreich wechselten die Besitzer wieder rasch: 1807 Johann Ziegler und Theres Buchthalerin durch Kauf, 1809 der Stadtkämmerer Bendedikt Würstl und seine Gattin Elisabeth Atzwangerin durch Versteigerung, 1812 Johann von Lasser, 1855 Franz Anzinger durch Versteigerung, 1843 der Nagelschmiedmeister Franz Xaver Koller und seine Gattin Elisabeth durch Kauf sowie 1847 das Ehepaar Wallner aus Waging und ein halbes Jahr später der Salzburger Kaufmann Johann Arrigler durch Versteigerung.


1848 legte schließlich Josef Anton Hussl ein Projekt vor, durch das die nunmehr Lasserhof genannte Liegenschaft in Lehen Nr. 14 in eine Steingutfabrik umgewandelt werden sollte. Die Pläne wurden aber nicht ausgeführt. Von 1816 an war mit dem Hof für ein halbes Jahrhundert auch das Recht zur Ausschank von Wein und Bier verbunden. 1856 erwarb der k.k. Landesrat Ludwig Kraus das Gut.


Nachdem Max O'Donell Kaiser Franz Josef bei einem Attentat in Wien gerettet hatte, wurde die Familie in Salzburg ansässig. 1860 erwarb Moriz Graf O'Donell den Lasserhof für seine Gattin Clotilde Gräfin Hardegg. Sie verkaufte das Gut 1886 an den Lazarettfonds. Die Plane für die Einrichtung einer Irrenanstalt scheiterten 1889. Schließlich wurde das Schloss in ein Seuchenspital umgewandelt. Heftige Proteste der umliegenden Gemeinden Maxglan, Liefering und Siezenheim bewirkten aber eine Verlegung in das St.-Johanns-Spital. Den O'Donellhof übernahm 1897 der Landesfonds.
Nach umfangreichen Adaptierungsarbeiten konnte 1898 das Taubstummen-Institut den Betrieb aufnehmen. Die neue Schule und das Internat wurden bereits 1908 und 1909 erstmals erweitert. Damals dürfte auch die Hauskapelle die Ausmalung im Jugendstil erhalten haben. Die Einrichtung mit Altar, Altarbild, den zwei Grisaille-Gemälden, einem Kreuzweg, dem bemalten Paramentenschrank und dem mächtigen Kristallluster befand sich längere Zeit in einem Nebengebäude.
Nach der Übertragung an den Reichsgau Salzburg 1941 trat 1949 das Bundesland Salzburg die Besitznachfolge an. Seit 1979 wurde nun das Schlößl mit dem Charakter eines Sommerlandsitzes weitgehend wiederhergestellt. 

Autor: Werner Leidenfrost

Die Geschichte der Landestaubstummenanstalt
Taub - doof - dumm war die vorherrschende Meinung der christlich-abendländischen Kultur der vergangenen Jahrhunderte bis herauf in die nähere Vergangenheit. Zu dieser Meinung kam die Gesellschaft dadurch, dass Menschen, die zu keiner lautsprachlichen Kommunikation fähig waren, eben als Idioten, Blödsinnige oder eher dem tierischen Bereich zugehörige Wesen gesehen wurden. Es gibt zwar in der Literatur Hinweise, dass von einigen wenigen Personen, wie z. B. in Spanien 
Pedro de Ponce oder in Holland Johann Conrad Amman, die Bildungsfähigkeit taubstummer Menschen erkannt worden war und sich diese Personen für eine Bildung der vernachlässigten Menschen eingesetzt hatten. Ein Durchbruch der Erkenntnis, dass taub nicht gleich dumm bedeutet, erfolgte erst in der Zeit der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.


Wegbereiter der Hörbehinderten-Pädagogik war der französische Priester Abbé de l'Epeé, dem es gelang, in Paris 1770 die erste Schule für Taubstumme zu gründen. Seine Unterrichtsmethode baute auf die Schrift und auf das Handalphabet sowie eine stark an der Mimik orientierten Gebärdenkommunikation auf. 1778 kam es zu einer zweiten Bildungsstätte taubstummer Kinder in Leipzig durch Samuel Heinicke. Die Leipziger Schule setzte auf die Lautsprache; Sprechen, Schreiben, Lesen, Rechnen etc. waren Ziele des Unterrichts. Bereits ein Jahr später, 1779, gründete Kaiser Josef II. die dritte Taubstummenschule der Welt in Wien. Die Wiener Schule entwickelte eine Mischform der Unterrichtsmethoden von Paris und Leipzig. In den folgenden Jahren wurden in Europa mehrere Schulen für Taubstumme eröffnet. Auf dem Gebiet des heutigen Österreichs folgten 1812 Linz, 1830 Mils/Tirol und 1831 Graz.


Im heutigen Bundesland Salzburg gab es im 19. Jahrhundert mehrmals Anläufe zur Schulung Taubstummer. Unter dem ersten Kreishauptmann Graf Welsperg vom Salzburger Kreis (das heutige Bundesland Salzburg) unter der oberennsischen Regierung in Linz kam es 1816 zur Gründung einer „Lehranstalt für harthörige und schwersprechende Kinder". Diese Anstalt war in Hallein und den Unterricht erteilte der Privatlehrer Gotthard Guggenmoos. Leider war aus Kostengründen der Zugang zu diesem Unterricht den ärmeren Schichten der Bevölkerung des Landes verwehrt. Guggenmoos hatte seinerseits ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen. 1829 übersiedelte er mit seiner Schule in die Stadt Salzburg in die Judengasse. Die Schule bezeichnete sich „Lehranstalt für taubstumme Kinder". Auch in der Stadt Salzburg wurde die finanzielle Lage der Schule nicht besser. Der Unterhalt der Schule war auf Stiftungen und Spenden aufgebaut, die leider sehr spärlich flossen, sodass es im Jahr 1835 zur endgültigen Schließung der Lehranstalt für taubstumme Kinder gekommen ist. Guggenmoos wurde mit einem Jahresgehalt abgefertigt. Er starb 1838 in Hallein.


In den folgenden Jahren versuchte das Ordinariat - ab 1818 waren die Diözesan-Ordinariate im Bereich der Österreichischen Monarchie für das Volksschulwesen zuständig - über die Pfleger und Pflegegerichtsbezirke geeignete Lehrer der Elementarschule oder Geistliche für einen Unterricht von wenigen Stunden für taubstumme Kinder zu finden. Diese Personen sollten nach der Methode vom Religionslehrer des Wiener Taubstummeninstitutes Franz Herrmann Czech den Unterricht gestalten. Czech hatte dafür das Buch „Versinnlichte Denk- und Sprechlehre" (Wien 1836 und 1844) geschrieben, welches für die „Schuldistriktsaufsichten Köstendorf, Hallein, Altenmarkt, Werfen und Saalfelden - später auch noch Thalgau" aus Spendengeldern der Kaiserin Caroline Auguste angekauft wurde. In diesen oben genannten Pfleggerichtsbezirken gab es besonders viele taubstumme Kinder. „Czech sah nämlich vor, daß aus einem ein- bis zweistündigen täglichen Privatunterricht, der die erste Stufe darstellte, mit Hilfe seines Methodenbuches nach und nach Taubstummennotschulen hervorgehen sollten, die sich wiederum zu kleinen Taubstummenschulen in den Kreisstädten fortentwickeln sollten." Dieser Versuch, die schulische Bildung taubstummer Kinder zu installieren, scheiterte an den finanziellen Problemen einerseits und an den anders gearteten Vorstellungen der Pfleger, die eher für ein zentrales Taubstummeninstitut eintraten. Idealisten, wie u. a. Franz Riedlsperger, Vikar von Krimml, der im Pfleggerichtsbezirk Mittersill 15 Kinder in seinem Wirkungsort Krimml unterrichtete und für deren Unterkunft sorgte, fanden nicht nur keine Unterstützung, es wurde ihnen die rechtliche und finanzielle Absicherung ihrer Arbeit sowie die Anerkennung durch die Behörden vorenthalten, sodass alle diese Bemühungen scheiterten. 


Hauptargument für die Ablehnung des Taubstummenunterrichts durch Geistliche oder Lehrer war die fehlende fachliche Ausbildung. Doch scheint diese Argumentation nur ein Vorwand gewesen zu sein, denn es gab einen zum Taubstummenlehrer ausgebildeten Priester, nämlich „Domvikar Martin Deutinger, der seine Ausbildung zum Taubstummenlehrer in Prag im Jahre 1847 mit bedeutenden persönlichen Opfern erhalten hatte, ...". Deutinger gab mit großem Erfolg Privatunterricht in Salzburg. Er lehrte Lesen, Schreiben und unterwies die Kinder in der Lautsprache, wobei er seinen Schülern die verschiedene Bedeutung der Wörter vermittelte. „Das f.e. Konsistorium drückte dem Vikar deshalb seine Anerkennung aus. Deutinger ... erhielt später auch eine Entschädigung von 25 fl. aus den Mitteln des Schulfonds. Die Möglichkeit, mit Deutingers Unterstützung und Hilfe in Salzburg - ein halbes Jahrhundert früher, als es dann tatsächlich geschah - eine öffentliche Taubstummenanstalt zu errichten, wurde von den zuständigen Stellen nur für einen günstigen künftigen Augenblick, wenn es die Mittel gestatten, in Aussicht gestellt, aber leider nicht genutzt." 


Solange Salzburg als Salzburger Kreis verwaltungsmäßig an Oberösterreich gebunden war, gab es, wenn Plätze frei waren, kaum Probleme bei der Aufnahme gehörloser Kinder aus Salzburg im Linzer Taubstummeninstitut. Das sollte sich aber mit der Eigenständigkeit Salzburgs (ab 1. 1. 1850 ist Salzburg ein eigenes Kronland) ändern. Somit wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Druck auf die Behörden in Salzburg, ein eigenes Taubstummeninstitut zu errichten, immer stärker.


In der Festschrift anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums der Landes-Taubstummenanstalt aus dem Jahre 1923 wird berichtet: In den 90er Jahren waren nur elf schulpflichtige taubstumme Kinder von den 35 gemeldeten taubstummen Schülern in Linz untergebracht. Neben Linz ist auch von der Wiener Taubstummenanstalt überliefert, dass sich dort taubstumme Kinder aus Salzburg befunden hätten.

Autor: Werner Leidenfrost



Die Landestaubstummenanstalt 1898 - 1938
Anlässlich des 50-Jahre-Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph fasste der Salzburger Landtag am 15. Jänner 1895 folgenden Beschluss: „Zur würdigen Feier der glorreichen Regierung S. M. Kaiser Franz Joseph I. wird eine Landes-Erziehungsanstalt für blinde und taubstumme Kinder gegründet." Somit war der Weg zur Bildungsanstalt für taubstumme Kinder eröffnet. Auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude mit Park fiel die Wahl auf das dem Lazarettfonds gehörende 0' Donell'sche Schloß in Lehen. Das Schloss mit dem umfriedeten Park wurde im Februar 1897 um 30.000 fl. vom Land Salzburg angekauft und mit weiteren Kosten von 11.000 fl. adaptiert. Mit der Durchführung des Projektes wurde der „damalige Landeshauptmann-Stellvertreter Domkapitular Alois Winkler" betraut. Winkler ging sehr umsichtig ans Werk und zog den Leiter der Linzer Taubstummenanstalt Direktor Alois Walcher zur Beratung bei. „Aus lehrtechnischen Gründen wurde von der gemeinsamen Errichtung einer Blinden- und Taubstummenanstalt abgesehen, und nur letztere ins Auge gefaßt. Als erster Lehrer und Leiter wurde Kooperator Ludwig Angelberger gewonnen, der sich im Herbst 1897 an die Linzer Taubstummenanstalt begab, um sich dort unter der Leitung des damaligen Direktors Alois Walcher für sein schwieriges Amt vorzubereiten und auszubilden.


Am 16. September 1898 fand nun im 
O'Donellhofein Lehen die feierliche Einweihung der Landestaubstummenanstalt Salzburg statt. Drei Tage später startete Direktor Ludwig den Unterricht mit zwölf Kindern in der ersten Klasse. Im Herbst des folgenden Jahres wurde der Weltpriester Matthias Praxmayer, der ebenfalls in Linz zum Taubstummenlehrer ausgebildet worden war, als zweiter Lehrer an der Anstalt angestellt, so dass jetzt bereits 23 taubstumme Kinder fachmännisch betreut werden konnten. Die große Anzahl der schulpflichtigen taubstummen Kinder im Land Salzburg führte 1902 zur Errichtung einer dritten Klasse. Als dritter Lehrer kam Leopold Schneider vom k. k. Taubstummeninstitut in Wien an die Anstalt. Nun war es möglich, alle bildungsfähigen Kinder, die um Aufnahme angesucht hatten, in der Anstalt unterzubringen. Seit Errichtung der dritten Klasse befanden sich stets 35 bis 40 Kinder in der Anstalt. Während des Ersten Weltkrieges konnte der Unterricht in den drei Klassen nur von zwei Lehrkräften erteilt werden, da Fachlehrer Schneider im Feld stand.


„Am 12. November 1920 schied Direktor Angelberger, der zum Domherr des Salzburger Domkapitels ernannt worden war, von der Anstalt ... Zum Nachfolger des Direktors Angelberger wurde Fachlehrer Leopold Schneider ernannt und neu Fachlehrer Josef Rehrl angestellt. Die mit der Anstalt verbundene dreiklassige Schule für taubstumme Kinder ... (war) eine Privatschule. Das Ministerium für Kultus und Unterricht hat im Jahre 1898 zwar die Erlaubnis zur Erteilung des Unterrichts nach den vorgelegten Lehrplänen gestattet, der Anstalt aber das Öffentlichkeitsrecht nicht zuerkannt. Der Landtag hat dann später mit Beschluss vom 4. Mai 1900 von der Erwerbung desselben abgesehen. Der Unterricht an der Anstalt erfolgt nach der deutschen Methode, ...". Das heißt, der Unterricht war lautsprachlich ausgerichtet, so wie es am Weltkongress der Taubstummenlehrer zu Mailand 1880 beschlossen worden war.


Die Salzburger Taubstummenanstalt hatte in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens ständig finanziell zu kämpfen. Die meisten Zöglinge stammten aus armen Familien, die nichts für den Unterhalt ihrer Kinder beisteuern konnten. Es war sogar für viele Familien unmöglich, ausreichend für Kleidung und Schulsachen ihrer Kinder aufzukommen, sodass das österreichische Jugendrotkreuz und der Caritasverband zusammen mit privaten Wohltätern zur Deckung der notwendigsten Bedürfnisse herangezogen werden mussten. Für die Verpflegungskosten mussten nach dem damaligen Armengesetz je zur Hälfte die Heimatgemeinden der Kinder und das Land aufkommen. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg half „das amerikanisch-österreichische Kinderhilfswerk" der Salzburger Taubstummenanstalt mit Lebensmitteln, Kleidern und Schuhen in der Versorgung aus. 


In die Taubstummenanstalt wurden Zöglinge beiderlei Geschlechts für sechs Schuljahre aufgenommen. Sie konnten frühestens mit vollendetem 7. Lebensjahr eintreten und durften bei ihrer Aufnahme auch nicht älter als elf Jahre sein. Da die Plätze am Institut begrenzt waren, wurden nur jedes zweite Jahr neue Zöglinge aufgenommen. Diese kurze Schulzeit wies natürlich große Lücken in der Bildung und Ausbildung auf. Der Lehrkörper der Anstalt wollte mit einem Fortbildungsunterricht und einer Zeitschrift diese Mängel beheben. So fand jeden zweiten Sonntag ein religiöser und wissenschaftlicher Unterricht der Taubstummen in der Kapelle und im Zeichensaal der Schulschwestern in der Schwarzstraße Salzburgs statt. Diese 1918 begonnene Erwachsenenbildung dürfte aus Kostengründen keinen langen Bestand gehabt haben, denn es finden sich nach 1924 keine Aufzeichnungen mehr darüber.


Ein breiter Raum wird in der Festschrift „25 Jahre Landes-Taubstummen-Anstalt" der Rechtfertigung der Ausbildungskosten gegeben. Es war zu jener Zeit nicht selbstverständlich, dass Behinderten, geschweige denn geistig Behinderten, eine schulische Bildung zuerkannt wurde. So wird berichtet: „Seit 1898 bis Ende 1922 wurden in die Anstalt 221 taubstumme Kinder ... aufgenommen. Von diesen waren 124 Zöglinge ... bildungsfähig und haben nach erlangter Schulmündigkeit die Anstalt verlassen. Sie bringen sich durchwegs selbständig fort; die Knaben teils als Handwerker (Schuhmacher, Schneider, Tischler, Bäcker, Steinmetz, Maurer), teils als landwirtschaftliche Arbeiter, die Mädchen als Schneiderinnen und Hausgehilfinnen usw. Die Gesamtkosten für die Anstalt betrugen seit ihrer Gründung bis Ende 1922 854.640 Friedenskronen. Ein Zögling kam auf rund 1.100 Friedenskronen zu stehen. Wären nun die oben angegebenen 124 bildungsfähigen Kinder nicht in der Anstalt gewesen, dann könnten sie heute wohl kaum selbst für ihren Unterhalt sorgen und müssten aus öffentlichen Mitteln ... erhalten werden. Rechnet man nun, daß die Erhaltung eines ... ungebildeten Taubstummen jährlich 250 Friedenskronen kostet, so hätte er mit obiger Summe von 6.600 Friedenskronen für seine Ausbildung nur 26 Jahre unterstützt werden können. In Wirklichkeit wäre er aber längere Zeit der Öffentlichkeit zur Last gefallen. ... (D)ie ausgebildeten Taubstummen (schaffen) durch ihrer Hände Arbeit auch positive Werte ...‚ durch die Verausgabung ihres Verdienstes auch die indirekten Steuern zur Erhaltung der Gemeinden, des Landes und Staates leisten, so ist damit der Beweis erbracht, daß die für die Erhaltung der Anstalt ... aufgebrauchte Summe nicht nutzlos war, sondern sich noch verzinst und abzahlt, dazu mögen dann noch die ethischen, die idealen Werte, die durch die Ausbildung der taubstummen Kinder geschaffen worden sind, in die Waagschale geworfen werden, so ergibt sich als Frucht der aufgewendeten Mittel ein außerordentlich günstiges Resultat." Ich habe den fast vollen Wortlaut deshalb übernommen, weil 15 Jahre später eine menschenverachtende Ideologie die Schließung vieler Behinderteneinrichtungen, darunter auch unseres Instituts, mit der Kosten-Nutzen-Frage und dem gesunden deutschen Menschen zu rechtfertigen suchte. Im Jahre schied Direktor Leopold Schneider aus Altersgründen aus dem Dienst. Zum Nachfolger wurde Josef Rehrl, der Bruder des damaligen Landeshauptmannes Dr. Franz Rehrl, bestellt. Josef Rehrl, 1947 bis 1949 selbst für zwei Jahre Landeshauptmann, ging mit großem Engagement an die Arbeit. „Als eifriger Verfechter der Lautsprachmethode und auf Grund der geleisteten Pionierarbeit auf dem Gebiete der Hörerziehung genoß Josef Rehrl internationale Beachtung und Anerkennung. Hospitanten aus Deutschland, Holland, Dänemark und anderen europäischen Staaten holten sich im Salzburger Institut fachliche Anregungen. Die enge Zusammenarbeit mit dem Direktor der Taubstummenanstalt Budapest, Dr. Gustav Barczi, bewirkte große Erfolge innerhalb der Gehörlosenpädagogik." 


Aber nicht nur in seiner pädagogisch-fachlichen Arbeit war Josef Rehrl Meister, er zeigte auch auf wirtschaftlicher Seite seine Fähigkeiten. So gelang ihm in wirtschaftlich schlechter Zeit, 1936, die Errichtung eines Turnsaals und der darüber liegenden Lehrerwohnungen. Der Anbau wurde in südlicher Richtung an das Schloss angefügt (gegenwärtig Küchentrakt).


Der guten Arbeit und dem schönen Heim für die Salzburger gehörlosen bzw. schwerhörigen Kinder war keine lange Zeit beschieden. Denn während der Sommerferien 1938 wurde den Eltern der hörbehinderten Kinder mitgeteilt, dass es keine Rückkehr an die Salzburger Landestaubstummenanstalt im September gibt und sie für ihre Kinder in Mils (bei Hall in Tirol), Taubstummenanstalt seit 1830, um Aufnahme bitten sollten. Mit einer Urkunde vom 10. Oktober 1938 wurde die Salzburger Landestaubstummenanstalt mit Wirkung 20. Oktober liquidiert.

Autor: Werner Leidenfrost



Die Landestaubstummenanstalt 1938 - 1945 - 1948
Ob zu Beginn der Sommerferien 1938 für einige Eltern bereits bekannt war, dass es im Herbst für ihre Kinder keine Rückkehr in die Taubstummenanstalt geben werde, ist nicht bekannt. Während der Ferienwochen wurde das Institut von der Hitlerjugend (HJ) genützt. Erst gegen Ende der Ferien wurde den Eltern mitgeteilt, dass es kein Schuljahr 1938/39 in der Landestaubstummenanstalt geben werde und dass sie ihre Kinder in anderen Schulen anmelden sollten. Es wurden Schüler in Mils oder in anderen Behindertenschulen untergebracht; ein Teil der hörbehinderten Kinder blieb dem Schulunterricht fern, wie später noch statistisch belegt wird. Als Schließungstag der Salzburger Taubstummenanstalt gibt Josef Rehrl (in einem Schreiben vom 4. 5. 1942) den 7. September 1938 an. Hingegen sprechen die staatlichen Dokumente, die sich im Archiv des Institutes befinden, von der „Liquidierung der Landestaubstummenanstalt Salzburg" mit 12. September 1938. Die endgültige Liquidierung wurde mit 20. Oktober 1938 festgelegt, ,,... da seitens des früheren Leiters der Taubstummenanstalt (Josef Rehrl) ... keine Hindernisse mehr bestehen."


Mit der Liquidierung des Institutes war die Landesbuchhaltung betraut. Sie sollte das gesamte Inventar aufnehmen, die Besitzverhältnisse klären und für die Weiterverwendung der gesichteten Sachen sorgen. Mit 25. Oktober 1938 war die Landestaubstummenanstalt in ein „Heim für Deutsche Jungen" umgewandelt worden. Brauchbares landeseigenes Inventar blieb zur Weiterbenützung im Heim. Einrichtungen, die speziell dem Hörbehindertenunterricht dienten, und Sachen, die keine weitere Verwendung im Heim für Deutsche Jungen hatten, wurden zusammen mit den Personalakten in der Registratur der Landesbuchhaltung abgelegt. Im Sommer 1940 wurde für die noch vorhandenen brauchbaren Sachen, wie Stoffe, Spielzeug, Akte und Papier, eine endgültige Lösung gesucht, wobei die Papiersachen, darunter auch die Personalakte, mit Ausnahme der Verrechnungsakte, zur Einstampfung in die Papierfabrik Dietz in Lengfelden gebracht worden sind. Die Angaben über den Verbleib der Sachen stammen aus dem Briefwechsel des Jahres 1941, den das Gauamt für Rassenpolitik mit Gauleiter Dr. Friedrich Rainer zwecks Erkundung erbkranker Taubstummer (Sterilisationsprogramm) geführt hatte. Im Jahre 1941 versuchte der Reichsstatthalter eine Wiedererrichtung einer Gehörlosenschule mit Heim im Kloster Dürrnberg bei Hallein. Grundlage für die Wiedererrichtung war eine Erhebung zur Situation der schulpflichtigen hörbehinderten Kinder im Gau Salzburg. Aus dieser Statistik geht hervor, dass von den 73 als hörbehindert gemeldeten schulpflichtigen Kindern nur 37 in Anstalten untergebracht waren. Außerdem sind nicht alle Gemeinden im Gau, darunter auch die Stadt Salzburg, der Aufforderung, die hörbehinderten Schüler zu melden, nachgekommen. Salzburger hörbehinderte Kinder befanden sich: 16 in der Caritasanstalt St. Anton (bei Bruck a. d. Glstr.), 16 in der Taubstummenanstalt Mils/Tirol; ein Schüler in Graz-Eggenberg, ein Kind in Halle a. d. Saale und drei Zöglinge besuchten die Gehörlosenschule in Gallspach O.D. (Oberdonau = Oberösterreich). 


Dass es zu keiner Wiedererrichtung einer Salzburger Gehörlosenschule kam, hatte mehrere Gründe: Die Behörden konnten sich nicht auf ein geeignetes Objekt zur Errichtung einer Gehörlosenschule mit Heim einigen. Neben dem Kloster Dürrnberg waren auch das Schloss Goldenstein, das Kloster der Augustiner Chorfrauen, der Dechanthof in Altenmarkt und weitere Objekte im Lande im Gespräch. Weiters waren keine geeigneten bzw. ausgebildeten Taubstummenlehrer für den Einsatz vorhanden. Mit Ausnahme Josef Rehrls, der als fachlich guter Taubstummenlehrer galt, aber vom Amt für Volkswohlfahrt und von der NSDAP politisch für unzuverlässig angesehen wurde, gab es keine geeigneten Personen. Auch die Bemühungen, Lehrpersonen aus Wien, Straubing, München oder Nürnberg zu bekommen, scheiterten, da die genannten Schulen ebenfalls wegen des Krieges an Personalmangel litten. Ein letzter Grund für den Aufschub einer Wiedererrichtung der Taubstummenanstalt für die Zeit nach dem Krieg war das fehlende Geld für die Adaptierung eines geeigneten Objektes. So wurden im Jahr 1943 die Bemühungen zur Errichtung einer Salzburger Gehörlosenschule mit Heim eingestellt. Erleichtert wurde diese Entscheidung mit dem Schreiben aus Tirol, worin der Besuch der Kinder aus dem Reichsgau Salzburg im bisherigen Umfang für die Zeit der Kriegsdauer zugesagt wurde. 


Mit Ende des Krieges im April/Mai 1945 war auch das Ende des Heims für Deutsche Jungen gekommen. An die Stelle der Jungen kamen amerikanische Soldaten ins Haus, sie benützten den Park und den Gemüsegarten zum Abstellen ihrer Panzer. Wie lange die US-Armee das Haus benützte, war nicht zu eruieren. Auch die Kontaktaufnahme mit Sergeant Orten, er war Quartiermeister der amerikanischen Armee von 1951 bis 1955 in Salzburg, brachte keine Klärung. Nach der Durchsicht der Salzburger Nachrichten der Jahre 1946 bis Februar 1948 kam ich zu der Auffassung, dass unser Haus mit Park und Garten noch vor Herbst 1947 rückerstattet worden sei, denn es wurden laufend bis zum Sommer 1947 Objekte aus der Besatzung entlassen, wobei nur die Anzahl der Objekte in der Zeitung genannt wurde - nur in Ausnahmefällen wurde das Objekt selbst erwähnt. Nach dem Sommer 1947 bis zur Eröffnung unserer Schule gab es keine Rückerstattung von Objekten der Besatzung. Unser Haus findet sich nicht unter den namentlich erwähnten Objekten.


Im Dezember 1947 wird in den Salzburger Nachrichten die Wiedererrichtung der Salzburger Landestaubstummenanstalt angekündigt und für Interessenten geworben. Mitte Jänner 1948 wird ebenfalls in den Salzburger Nachrichten die Wiedereröffnung der Landestaubstummenanstalt mit 1. Februar 1948 bekanntgegeben. Als Leiter ist Landeshauptmann Josef Rehrl genannt, zwei weitere Lehrpersonen sind angeführt. 

Autor: Werner Leidenfrost



Die wiedererrichtete Landestaubstummenanstalt 1948 - 1962
Der Unterricht begann am 1. Februar 1948 mit vermutlich drei Klassen. Die Zahl der Schüler vergrößerte sich sehr rasch, was zu einer Erweiterung des Institutes führte. Hatte der Unterricht im Schuljahr 1948/49 mit vier Klassen begonnen, so gab es im Schuljahr 1952/53 bereits acht Klassen. Unter Direktor Josef Rehrl setzte eine rege Bautätigkeit ein. So wurde im Jahr 1951 mit dem Neubau des Schulhauses begonnen (heutiges Hauptgebäude der Schule) und in den Jahren 1955/56 das Werkstättengebäude für Tischler und Schneider errichtet. Dieses Gebäude stand ursprünglich als eigenes Haus nach Westen versetzt hinter dem Schulgebäude. Bereits ein Jahr später wurde der Verbindungstrakt zwischen Schule, Tischlerei und Lehrwerkstätte der Schneider gebaut. Dieser Trakt beherbergte den Turnsaal und im Obergeschoss für viele Jahre die Sonderklasse, einen Schlafraum für die Lehrbuben und die dislozierte Berufsschulklasse der Berufsschule III in Salzburg für Schneider und später auch für Tischler. Heute sind in diesem Trakt der Turnsaal, der integrativ geführte Heilpädagogische Kindergarten sowie im 1. Stock die ebnefalls integrativ geführten VS - Schulklassen untergebracht. Im Gebäude aus dem Jahre 1936, welches den alten und viel zu kleinen Turnsaal enthielt, wurde eine Decke eingezogen. Im unteren Teil wurden die Küche, ein Speiseraum für die Bediensteten sowie eine Schulküche eingebaut. Im 1. Stock wurde ein neuer Speisesaal (heute Festsaal/Rhythmikraum) und Schlafräume für die älteren Mädchen (heute Sonderpädagogisches Zentrum für Sinnesbehinderte) geschaffen. Ebenfalls in diesen Jahren ist der unterirdische Verbindungsgang zwischen dem Schloss (damals Internatsgebäude) und dem Schulhaus gebaut worden. Der Aushub für die neuen Gebäude wurde im Park zu einem kleinen Hügel aufgeschüttet, damit die Kinder im Winter eine bescheidene Schlittenbahn hatten. Immer noch erfreuen sich die Kleinen des Institutes am Schlittenfahren im Park.


Da 1938 alle Lehrmittel und Spielsachen weggebracht worden waren, war der Wiederbeginn nur mit bescheidenen Mitteln möglich. Man war auf Spenden angewiesen. So schenkte die Tochter des ehemaligen Leiters Leopold Schneider, Herta Hummer, die selbst viele Jahre am Institut als Lehrerin tätig war, die wertvollen Bücher aus den Anfängen der Taubstummenpädagogik ihres Vaters der wiedereröffneten Schule. Diese Bücher gaben den Grundstock für die Bibliothek ab. Erst in den 60er Jahren begann der Ankauf neuer Bücher, der sich Mitte der 70er Jahre wesentlich steigerte, sodass in der heutigen Bibliothek mehr als 5.000 Bücher vorhanden sind. (Rund 1.500 Bücher sind Fachliteratur zur Hörbehindertenpädagogik, der überwiegende Teil beinhaltet Sachbücher zum Lehrstoff sowie Jugendsachbücher und Bilderbücher.)


Die ersten Spielsachen des Internates waren Spenden der amerikanischen Soldaten. Wie das Institut zu diesen Spielsachen kam, möchte ich erzählen, weil es ein wertvolles Dokument für die Nachkriegszeit darstellt. Entnommen ist der Bericht einer Erzählung des Lehrers Peter Huber, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1986 an der Schule als Lehrer und zuletzt als Leiter des Landesinstitutes tätig war. Peter Huber war nicht nur Zeuge, sondern selbst Betroffener dieses Berichtes. Im Dezember 1948 waren die Schüler und Lehrer der Taubstummenanstalt zu einer Weihnachtsfeier in die Siezenheimer Kaserne eingeladen. Sie wurden mit amerikanischen Armeefahrzeugen gefahren. Es gab Grillhendl und als Nachspeise Eis. Für viele Schüler war es das erste Eis ihres Lebens. Zum Abschluss der Feier sind die Kinder mit Spielsachen, welche die Soldaten zum Großteil selber gebastelt hatten, beschenkt worden. Voll Freude kehrten die Kinder heim. Welch böse Überraschung gab es da! Bereits an der Pforte wurden den Kindern auf Befehl Josef Rehrls die Spielsachen abgenommen und dem Fundus des Internats einverleibt. Es gab viele Tränen bei den Kindern und Ärger seitens der Lehrer. Es war aber eine gute Entscheidung des Leiters; denn hätten die Kinder ihre Spielsachen mit nach Hause genommen, wären nur die wenigsten Sachen zurück ins Internat gekommen und die Kinder hätten kaum etwas zum Spielen gehabt. So aber gingen die privaten Geschenke in die Öffentlichkeit des Internates über und alle Kinder hatten darauf Zugriff.


Die Kinder verbrachten die längste Zeit des Jahres im Internat. Heimfahrten gab es während des Schuljahres bis in die 60er Jahre nur zu Weihnachten, Ostern und in Ausnahmefällen. Heute ist es unvorstellbar, dass es nicht einmal zu Ostern und zu Weihnachten allen Kindern möglich war, heimzufahren. Der Verbleib der Kinder über die Weihnachts- und Osterferien im Internat (Semesterferien gab es noch nicht) hatte zur Folge, dass der Erzieherdienst, dem auch Lehrer an leitender Stelle angehörten, über die Ferienzeit geleistet werden musste.


Im Jahre 1957 wurde die Lehrausbildungsstätte zum Schneider - damals für Mädchen und Buben - mit eigenem Berufsschulunterricht eingerichtet. Nach längerer schwerer Krankheit verstarb Hofrat Josef Rehrl im November 1960 und Ignaz Stöggl wurde mit der Leitung der Taubstummenanstalt betraut. Während seiner Leitung begannen die Reformen, die den Weg zu einer modernen Gehörlosen- und Schwerhörigenbildung eröffnen sollten.

Autorinnen: Christiane Netsch und Ursula Wegmayr

Von der Landestaubstummenanstalt zum Landesinstitut für Hörbehinderte 1960 - 1998
Im Schuljahr 1960/6 1 wird erstmals eine Klasse im 9. Schuljahr geführt. Dem Stil der 60er Jahre entsprechend färbt man die Fassade des Schlosstraktes in Rosa. Mit Schulbeginn 1962 wird im Internat eine Abteilung für Schwerhörige eingerichtet. 1963 gibt es zwei Hörklassen für schwerhörige Schüler und eine Sonderklasse für schwachbegabte taubstumme Kinder. Nach gründlicher Vorbereitung kann am 7. Jänner 1964 der neu eingerichtete Sonderkindergarten inoffiziell eröffnet werden.


Ab Oktober 1964 kursieren immer häufiger Gerüchte über bestehende Pläne, den Park der Landestaubstummenanstalt durch die Errichtung eines Wohnblocks für Angestellte der Landeskrankenanstalten zu verkleinern. Geplant ist ein Gebäude für rund 200 Bedienstete. Direktor Ignaz Stöggl setzt sich sofort für die Interessen der Hörgeschädigten bis an die höchsten Stellen ein. Ein Jahr später steht fest, dass das geplante Personalhaus nun auf dem Areal der Landesnervenklinik errichtet wird. Die Landesregierung genehmigt aber den Neubau des Landesblindenheimes im Park der Landestaubstummenanstalt. Der Baubeginn am 7. Februar 1968 bringt eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit für Schüler und Bedienstete mit sich. Außerdem wird alter Baumbestand geschlägert.Mitte der 60er Jahre finden erstmals Elternsprechtag und Berufsberatung für Schulabgänger gemeinsam statt. Aufgrund des starken Lehrermangels müssen Klassen zusammengelegt werden; es gibt nur sieben Klassen.


In diese Zeit fällt auch die Einführung des Polytechnischen Lehrgangs.Am 2. Oktober 1967 beginnt der Lehrbetrieb für Tischler mit fünf Lehrlingen. Richard Lohfeyer, ein ehemaliger Schüler, bildet die Lehrlinge aus.Zu Schulschluss 1968 feiert die Landestaubstummenanstalt ihr 70jähriges Bestehen. In einem Schreiben vom 11. Dezember 1968 des Amtes der Salzburger Landesregierung wird der Direktion der Landestaubstummenanstalt ihre Namensänderung bekannt gegeben: Mit Wirkung vom 1. Jänner 1969 ist die Anstalt als Landesinstitut für Hörbehinderte zu bezeichnen.Erst im Jahr 1969 bekommen alle Klassenräume Waschbecken! Die Firma Siemens stattet im Laufe der Zeit, beginnend 1970, die Hörklassen mit Stereo-Hör-Sprech-Anlagen aus. Im Herbst 1973 erhält das Schulhaus ein neues Dach.


Ende des Sommersemesters begeht das LIH mit einem Festakt und verschiedenen Veranstaltungen das 75-Jahr-Jubiläum.In einer Sitzung vom 28. September 1973 beschließt das Kollegium einstimmig die Einführung der 5-Tage-Woche im Rahmen eines Schulversuchs. Der unterrichtsfreie Samstag bewirkt, dass ein Großteil der Schüler das Wochenende daheim verbringen kann.
Mit Wirkung vom 1. September 1974 wird SOL  mit der provisorischen Leitung der Schule betraut. In diesem Winter dürfen die Schüler der 7. und 8. Klasse zum ersten Mal auf Schikurs, und zwar nach Neukirchen am Großvenediger, fahren.Mitte der 70er Jahre hat unsere Schule 10 Klassen. Nach dem neuen Lehrplan können die Schüler nach der 5. oder der 6. Klasse nach dem Lehrplan der Hauptschule geführt werden; dies verwirklicht man bei uns ab der 6. Schulstufe. Folgende Sanierungsmaßnahmen werden in dieser Zeit getroffen: Ausmalen und teilweises Auslegen der Klassen mit Teppichboden, Neueindeckung des Mitteltraktes, Asphaltierung der Höfe und Wege im Park.


Der Internatsbau beginnt 1977. Die folgenden Jahre des Umbaus bzw. des Neubaus bringen erhöhte Erschwernisse für Schüler und Mitarbeiter mit sich. 1978 wird die erste Bauetappe abgeschlossen; das alte , das als Leiterwohnung diente, wird abgerissen. An dieser Stelle entsteht das neue Internat.
Im Februar 1980 ist der Neubau fertig; im März wird er übergeben und bezogen; die feierliche Eröffnung des neuen Wohnheims findet am 28. März statt. Das nach neuzeitlichen Gesichtspunkten geplante Heim bietet Platz für 50 Kinder. Zur Verfügung stehen fünf Wohneinheiten, die pädagogisch und kindgerecht gestaltet sind. Für Freizeitbereich und Therapie eignen sich besonders das Hallenbad, ein kleiner Zeichensaal und der als Mehrzweckraum dienende Schutzraum.Im März 1981 beginnt mit der Renovierung des Schlosstraktes der zweite Bauabschnitt. Es gilt, neben der Generalsanierung zwei Wohneinheiten für Schüler und Lehrlinge, die Direktion, den Festsaal, Werkräume, eine Wohnung und die Kapelle im Bestand unterzubringen, ohne die wertvolle Bausubstanz wesentlich zu verändern. Mit einem Festakt am 18. Juni 1983 geht die Phase der Bautätigkeit am LIH zu Ende.


Seit Herbst 1980 arbeitet eine Logopädin mit unseren Schülern. Das erste Blockseminar nach dem neuen Ausbildungslehrgang zum Lehrer für Gehörlose und Schwerhörige findet im Mai 1984 statt.Mit Jahresende 1984 legt SD Alois Huber die Institutsleitung zurück, da er zum Sonderschulinspektor bestellt wird. Am 1. Jänner 1985 tritt SR Peter Huber seine Nachfolge an; er ist der letzte Direktor, der sowohl die pädagogische als auch die administrative Führung in einer Person innehat. SD Peter Huber geht Ende des Schuljahres 1985/86 in den Ruhestand.Neuer Direktor wird SL Walter Simmer. Ihm untersteht nur noch die pädagogische Leitung. Die administrativen Angelegenheiten obliegen jetzt dem Verwalter.Aufgrund einer Gesetzesreform ist nun die lautsprachbegleitende Gebärde im Unterricht erlaubt; 1990 wird erstmals das Fach „Gebärdenpflege" als Freigegenstand angeboten, welches später als Pflichtfach in den Unterricht aufgenommen wird.


Aufgrund der geringen Auslastung unserer Einrichtung - der Mitteltrakt steht seit dem Neubau des Internats leer - wird ab Herbst 1987 auf Anweisung des Anstaltenreferats dort der Waldorfkindergarten untergebracht. Im Jahr darauf gibt es wegen Kindermangels keinen Kindergarten für Hörbehinderte. Während dieser Zeit betreuen die beiden Kindergärtnerinnen hörbehinderte Kinder in den ortsansässigen Kindergärten. Im September 1992 öffnet der Kindergarten wieder seine Pforten für hörbehinderte und hörende Kinder unter der Bezeichnung „Integrativer Kindergarten". Der Waldorfkindergarten zieht im Sommer 1993 aus; diese Räume werden für unseren Kindergarten und Volksschulklassen adaptiert.Da viele hörbehinderte Kinder verstärkt Regelschulen besuchen, wird für diese ab dem Schuljahr 1989/90 eine mobile Betreuung eingerichtet. Ausgebildete Hörbehindertenlehrer helfen bei auftretenden Problemen und betreuen Kinder in ihren Klassen.


Mit Schuljahresende 1991 legt SD Walter Simmer sein Amt zurück, weil er sich einem anderen pädagogischen Betätigungsfeld zuwenden möchte. Aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Leiterbestellung wird SL Peter Hofmann  für das Schuljahr 1991/92 mit der provisorischen Amtsführung betraut. Mit Beginn des neuen Schuljahres übernimmt SOL Ulrike Fraundorfer die Leitung. Anfang der 90er Jahre wird mit dem Einsatz von Computern im Unterricht begonnen. In diese Zeit fällt auch die Einführung des Englischunterrichts mit zwei Wochenstunden ab der 3. Hauptschulklasse und der Beginn des Sprachheilunterrichts.
Ab Herbst 1993 kommen die Kinder mit Cochlear-Implantat und ihre Eltern zur Vor- und Nachbetreuung jeweils für mehrere Tage ans Institut. Ein Frühförderzentrum wird im Juni 1994 eingerichtet. Hier berät und betreut speziell geschultes Personal Kinder im Vorschulalter und deren Eltern.


Das Sonderpädagogische Zentrum (SPZ) für Sinnesbehinderte erhält 1995 seinen Standort am LIH. Es ist die pädagogische Heimat sowohl für hör- und sehbehinderte Kinder und deren Angehörige im Land Salzburg als auch für die mobilen Lehrer, die in diesen Sparten tätig sind. Die Kinder unserer Schule können erstmals am Nachmittag durch die „Ganztägige Schulform" einzeln oder in Kleingruppen von Lehrern betreut werden.


Folgende Sanierungsmaßnahmen werden in den 90er Jahren durchgeführt: Im Sommer 1991 wird das Dach der Tischlerei neu gedeckt. Ab Herbst 1995 darf der Turnsaal aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres nicht benützt werden. Es folgt eine Renovierung nach neuesten Vorschriften. Im November 1996 findet die Wiedereröffnung statt.In den Sommerferien 1997 beginnen die Arbeiten zur Sanierung des Mitteltraktes. Dach und Hauswände werden isoliert; die Fassade wird gestrichen.Seit Februar 1996 versehen Zivildiener ihren Dienst in verschiedenen Bereichen an unserem Institut.


Ab dem Schuljahr 1996/97 wird die 1. Klasse mit elf Kindern in integrativer Form geführt. Zwei Lehrer unterrichten fünf hörbehinderte und sechs hörende Kinder. Auch im darauffolgenden Schuljahr gibt es eine solche 1. Klasse mit neun Kindern. Für Kinder mit Problemen steht seit September 1996 eine Beratungslehrerin zur Verfügung. Im April 1997 tritt die erste gehörlose Lehrerin ihren Dienst an unserer Schule an.
SD Ulrike Fraundorfer legt mit Schulschluss 1997 ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Da sich zum Stichtag kein Bewerber findet, führt Frau Fraundorfer, von der Landesregierung beauftragt, die Amtsgeschäfte bis einschließlich Dezember desselben Jahres. Am 1. Jänner 1998 übernimmt SL Peter Medek die Leitung.
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